Sommerfest Grossbeerenstraße

Das Leben in einer Notunterkunft ist nicht leicht. Sorgen um Familie und Freunde im Heimatland und Gedanken an die ungewisse Zukunft bestimmen den Alltag der Bewohner*innen. Zusätzlich ist das Zusammenleben auf engem Raum und die mangelnde Privatsphäre für viele belastend. Gut die Hälfte der 180 Bewohner in der von der Care&Shelter gGmbH geführten Notunterkunft Großbeerenstraße wohnen seit mehr als anderthalb Jahren unter diesen Bedingungen in dem ehemaligen Bürogebäude im Süden Berlins. Zu den Bewohner*innen zählen alleinreisende Männer und junge Erwachsene genauso wie Familien mit Kindern aus Syrien, Afghanistan, Irak, Iran, Pakistan, Somalia und Eritrea. Das diesjährige Sommerfest sorgte für frischen Wind und einen Lichtblick im ermüdenden Alltag.

Mit Hilfe von Vostel, einer Berliner Start-up-Agentur, die Firmen, die sich sozial engagieren möchten, mit den entsprechenden Einrichtungen vernetzt, konnte ein Event mit allem drum und dran auf die Beine gestellt werden, bei dem Mitarbeiter*innen von Zalando das Team der Notunterkunft tatkräftig unterstützten. Dabei stellte das Wetter alle vor eine große Herausforderung. Der Berliner Sommer wartete mit stürmischen Böhen und Platzregen auf, sodass der Tobespaß auf der Hüpburg der Villa Pelikan buchstäblich ins Wasser fiel und alle Aktionen nach drinnen verlegt werden mussten. Nur die Jungs am Grill ließen sich von Sturm und Regen nicht erschrecken und sorgten dafür, dass alle Gäste reichlich mit leckerem Essen versorgt wurden.

Die Kinder wurden von den freiwilligen Helfern fleißig zu kleinen Löwen, Tigern und Schmetterlingen geschminkt und konnten sich beim Balancieren, Sackhüpfen, Zuckerwattemachen und Dosenwerfen vergnügen. Das Team von AWO-Sprungbrett betreute dabei die Jüngsten im liebevoll gestalteten Kinderzimmer. Das Projekt existiert seit Beginn des Jahres in der Notunterkunft Großbeerenstraße und bietet neben der Kinderbetreuung Unterstützung bei Erziehungsfragen für die Eltern sowie Hilfe auf der Suche nach einem Kitaplatz an.

Im Laufe des Nachmittags wurde die Stimmung immer ausgelassener. Nachdem alle Bewohner*innen, Mitarbeiter*innen, Ehrenamtliche, Kooperationspartner und Gäste beim Essen die Möglichkeit gehabt hatten, sich untereinander auszutauschen, wurde zu den Klängen eines arabisch-türkischem Musikerduos ausgiebig getanzt. Die Musik sorgte für eine fröhliche Atmosphäre, die selbst der gestresstesten Mutter und dem sorgenvollsten jungen Mann ein Lächeln aufs Gesicht zauberte. Ein multikulturelles Miteinander und trotz des unsommerlichen Wetters ein voller Erfolg und großer Spaß für alle Beteiligten. Besonders für die Kinder der Notunterkunft, die um zehn Uhr abends noch immer nicht wahrhaben wollten, dass auch das schönste Fest einmal zu Ende gehen muss, dann schließlich aber doch glücklich und erschöpft in ihre Betten fielen.