Information zum Warnstreik bei der Berliner AWO

Die Gewerkschaft ver.di hat für die Tage des 13., 14. sowie des 17. Juni 2019 Warnstreiks angekündigt. Der Streikaufruf richtet sich an alle Mitarbeiter*innen der Berliner AWO u. a. in den Einrichtungen der Geflüchtetenhilfe, in Pflegeeinrichtungen, in Beratungsstellen sowie an die Erzieher*innen der über 40 AWO-Kitas in Berlin.

Wir werden selbstverständlich versuchen, Einrichtungen auch an den drei Streiktagen zu öffnen. Jedoch werden sich Schließungen nicht vermeiden lassen. Im Bereich der Kitas ist es unser Ziel, eine Notfallbetreuung in anderen Kitas anzubieten. Dafür bitten wir die Eltern, sich an den jeweiligen Kita-Träger der AWO zu wenden. Inwiefern sich eine solche Notfallbetreuung umsetzen lässt, können wir jedoch erst nach Beginn des Streiks sagen, da wir keine Kenntnis davon haben, welche Kolleg*innen sich dem Streik anschließen werden.

Es ist uns jedoch auch wichtig, zu den anstehenden Warnstreiks und den laufenden Tarifverhandlungen Stellung beziehen:
Als AWO respektieren wir selbstverständlich das Recht auf Streik und haben großes Verständnis für die Forderung nach einer leistungsgerechteren Entlohnung. Die Arbeit unserer Mitarbeiter*innen muss selbstverständlich entsprechend honoriert werden. Mit dieser Einstellung sind wir (im April) in die Tarifverhandlungen mit ver.di gegangen. Nach nunmehr drei Verhandlungsrunden umfasst unser aktuelles Angebot eine Tarifsteigerung von durchschnittlich 8 % bis zum Ende des Jahres 2021. In Anbetracht der Tatsache, dass wir in den vorangegangenen 18 Monaten bereits eine Tarifsteigerung von ebenfalls 8 % umgesetzt haben, stellt unser Angebot für die Berliner AWO eine absolute wirtschaftliche Schmerzgrenze dar.

Eine Besonderheit in der Freien Wohlfahrtspflege muss in der aktuellen Diskussion stets bedacht werden. Die verschiedenen Leistungen der Berliner AWO werden von ganz unterschiedlichen Zuwendungsgeber*innen (u. a. vom Berliner Senat, vom Bund, aber auch von der EU) finanziert. Im Gegensatz zur freien Wirtschaft bzw. anderen Branchen, können unsere Tarifsteigerungen bspw. nicht über eine Erhöhung der Preise und damit aus eigener Kraft refinanzieren werden. Tariferhöhungen müssen vielmehr mit den unterschiedlichen öffentlichen Zuschussgebern auf Landes-, Bundes- oder EU-Ebene verhandelt werden. Diese Verhandlungen sind häufig sehr langwierig und nicht immer von Erfolg gekrönt, so dass Tarifsteigerungen vielfach in Vorleistung oder gänzlich aus Eigenmitteln erbracht werden müssen.

Trotz aller Unterschiedlichkeit in der Finanzierung ist für uns jedoch der Grundsatz „Eine AWO – ein Tarif“ elementar. Eine ungleiche Entlohnung, deren Wohl und Wehe von der Flexibilität oder Handlungsbereitschaft des Zuwendungsgebers abhängt, lehnen wir strikt ab. Wir streben eine leistungsgerechtere Entlohnung für alle Mitarbeitenden der Berliner AWO an, nicht nur für einzelne Gruppen.

Leider hat sich ver.di, trotz des Wissens um diese spezielle Situation in der Wohlfahrtspflege, bislang wenig kooperativ gezeigt. Wir halten es für sinnvoller, Angebote zu unterbreiten und zu besprechen, anstatt reflexartig und verantwortungslos dreitägige Warnstreiks zu initiieren.

Kurzum: Gute soziale Arbeit muss sich lohnen. Dafür setzen wir uns ein. Auch wir möchten unseren Mitarbeiter*innen so schnell wie möglich eine leistungsgerechtere Entlohnung analog zum TV-L bieten. Dies geht jedoch nur über intensive Verhandlungen mit den unterschiedlichen öffentlichen Zuschussgebern. Wenn dies nicht passiert und wir unverantwortlich und ohne Weitblick vorgehen, wird das zu Lasten der vielfältigen, sozialen Angebote in Berlin gehen. Dann verlassen am Ende alle als Verlierer den Platz.
Wir, als Berliner AWO, können versichern, dass wir auch weiterhin das Gespräch mit der Gewerkschaft ver.di suchen werden, um zeitnah eine für alle auskömmliche Lösung zu finden und weitere Streiks zu vermeiden.

Quelle: https://www.awoberlin.de/Information-zum-Warnstreik-bei-der-Berliner-AWO-996560.html